Dr. Sebastian Krause
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Wer über eine kieferorthopädische Behandlung nachdenkt, denkt zunächst meist an gerade Zähne. Doch Zähne und Kiefer bestimmen nicht nur das Lächeln. Ihre Position steht auch in Beziehung zu den Lippen, dem Kinn, dem Gesichtsprofil und der Funktion des gesamten Kausystems.
Deshalb stellen sich gerade Erwachsene häufig die Frage: Kann eine Zahnspange mein Gesicht verändern?
Die Antwort lautet: Ja, eine kieferorthopädische Behandlung kann den Gesichtseindruck beeinflussen – allerdings hängt das Ausmaß stark von der jeweiligen Zahn- und Kieferfehlstellung, dem Alter und der gewählten Behandlung ab. Bei Erwachsenen werden durch eine Zahnspange in erster Linie die Zähne bewegt. Größere Veränderungen der knöchernen Kieferposition sind ohne kieferchirurgische Maßnahmen nur begrenzt möglich.
Trotzdem können bereits Veränderungen der Zahnstellung Auswirkungen darauf haben, wie Lippen, Mundpartie und Profil wahrgenommen werden.
Zähne stehen nicht isoliert im Kiefer. Ober- und Unterkiefer, Zahnstellung, Lippen und Kaumuskulatur bilden ein funktionelles Zusammenspiel.
Für den Gesichtseindruck können unter anderem eine Rolle spielen:
Deshalb betrachten wir in der Kieferorthopädie nicht ausschließlich einzelne schiefe Zähne. Eine sorgfältige Diagnostik berücksichtigt immer auch den Biss, die Kieferrelation und das Gesichtsprofil.
Eine Zahnkorrektur verändert nicht automatisch die gesamte Gesichtsform. Sie kann jedoch die Weichteile rund um Mund und Lippen beeinflussen.
Besonders relevant ist dabei die Position der Frontzähne. Die Schneidezähne stehen in unmittelbarer Beziehung zur Ober- und Unterlippe. Werden stark nach vorne oder hinten geneigte Frontzähne korrigiert, kann sich deshalb auch die Lippenposition verändern.
Wie deutlich dieser Effekt sichtbar wird, ist individuell sehr unterschiedlich.
Entscheidend ist daher nicht das Ziel, ein bestimmtes „Gesicht“ zu erzeugen. Vielmehr sollte die Zahnstellung so geplant werden, dass Funktion, Biss, Zahnästhetik und Gesichtsprofil zusammenpassen.
Die oberen und unteren Schneidezähne beeinflussen die Unterstützung der Lippen.
Stehen die oberen Frontzähne beispielsweise deutlich nach vorne, können die Lippen stärker hervortreten. Bei ausgeprägten Fehlstellungen kann auch ein entspannter Lippenschluss erschwert sein.
Sind die Frontzähne dagegen stark nach innen geneigt, kann die Lippenunterstützung geringer ausfallen.
Bei einer kieferorthopädischen Planung sollte deshalb nicht nur gefragt werden: Wie bekommen wir die Zähne gerade?
Ebenso wichtig ist: Wo sollen die Zähne am Ende im Verhältnis zu Lippen, Kiefer und Gesicht stehen?
Genau dieser Unterschied ist für eine langfristig funktionelle und ästhetisch ausgewogene Behandlung entscheidend.
Bei einem Tiefbiss überdecken die oberen Schneidezähne die unteren Frontzähne stärker als üblich. Je nach Ausprägung können die unteren Schneidezähne kaum noch sichtbar sein.
Ein ausgeprägter Tiefbiss kann mit Veränderungen der vertikalen Bissverhältnisse und der Mundpartie verbunden sein. Bei manchen Patientinnen und Patienten wirkt das untere Gesichtsdrittel dadurch kompakter.
Zusätzlich kann ein Tiefbiss funktionelle Probleme verursachen. In bestimmten Fällen können die unteren Frontzähne beispielsweise den Gaumen oder das Zahnfleisch hinter den oberen Schneidezähnen belasten.
Ob und wie sich die Korrektur eines Tiefbisses auf den Gesichtseindruck auswirkt, lässt sich jedoch nur anhand des individuellen Befundes beurteilen.
Bei einem Distalbiss besteht eine veränderte Beziehung zwischen Ober- und Unterkiefer beziehungsweise zwischen den oberen und unteren Zahnreihen.
Je nach Ursache und Ausprägung kann das Profil dadurch stärker konvex erscheinen. Besonders bei einer zurückliegenden Unterkieferposition kann das Kinn im Profil weniger prominent wirken.
Hier ist die Unterscheidung zwischen Zahn- und Kieferfehlstellung besonders wichtig.
Bei Kindern und Jugendlichen kann vorhandenes Wachstum unter bestimmten Voraussetzungen therapeutisch genutzt werden. Bei Erwachsenen ist das Kieferwachstum weitgehend abgeschlossen. Eine Zahnspange oder Aligner können zwar Zahnpositionen verändern, eine ausgeprägte knöcherne Fehlstellung lässt sich damit allein jedoch nicht beliebig korrigieren.
Bei starken skelettalen Abweichungen kann deshalb eine kombinierte kieferorthopädisch-kieferchirurgische Behandlung in Betracht kommen.
Bei einem Unterbiss stehen die unteren Frontzähne vor den oberen. Dahinter können unterschiedliche Ursachen stecken – von einer überwiegend dentalen Fehlstellung bis zu einer ausgeprägten skelettalen Progenie.
Bei einer deutlichen knöchernen Fehlstellung kann das Kinn im Profil stärker hervortreten. Auch hier gilt: Nicht jeder Unterbiss ist gleich.
Eine genaue Diagnostik muss klären, ob die Ursache hauptsächlich in der Zahnstellung, im Oberkiefer, im Unterkiefer oder in einer Kombination verschiedener Faktoren liegt. Erst danach lässt sich beurteilen, welche Veränderungen durch eine kieferorthopädische Behandlung realistisch erreichbar sind.
Bei einem offenen Biss treffen bestimmte Zähne beim Zusammenbeißen nicht aufeinander. Besonders häufig betrifft dies den Frontzahnbereich.
Ein ausgeprägter offener Biss kann den Lippenschluss erschweren und steht teilweise mit funktionellen Faktoren wie einer ungünstigen Zungenlage oder bestimmten Mundgewohnheiten in Verbindung.
Auch die Atmung sollte bei entsprechenden Auffälligkeiten betrachtet werden. Eine dauerhaft eingeschränkte Nasenatmung kann unterschiedliche Ursachen haben und sollte bei Bedarf zusätzlich ärztlich abgeklärt werden.Kieferorthopädie ist deshalb bei komplexen funktionellen Problemen häufig keine isolierte Behandlung. Je nach Befund kann eine Zusammenarbeit beispielsweise mit HNO-Heilkunde oder Logopädie sinnvoll sein.
Ein Kreuzbiss entsteht, wenn einzelne Zähne oder ganze Zahngruppen von Ober- und Unterkiefer beim Zubeißen nicht regelgerecht zueinanderstehen.
Besonders bei Kindern kann ein einseitiger Kreuzbiss dazu führen, dass der Unterkiefer beim Schließen seitlich ausweicht.
Eine solche funktionelle Verschiebung sollte frühzeitig untersucht werden, da sich das Kausystem noch in der Entwicklung befindet.
Bei Erwachsenen muss dagegen genau unterschieden werden, ob eine sichtbare Asymmetrie durch die Zahnstellung, eine funktionelle Unterkieferposition oder durch die knöcherne Gesichtsstruktur verursacht wird.
Nicht jede Gesichtsasymmetrie lässt sich mit einer Zahnspange korrigieren.
Auch die Breite der Zahnbögen beeinflusst, wie das Lächeln wahrgenommen wird. Bei einem schmalen Oberkiefer können beim Lächeln seitlich größere dunkle Bereiche zwischen Zahnreihe und Mundwinkel sichtbar sein.
Eine kieferorthopädische Behandlung kann in geeigneten Fällen die Zahnbogenform verändern. Welche Erweiterung medizinisch sinnvoll und langfristig stabil ist, hängt jedoch von Alter, Kieferstruktur, Zahnstellung, Knochenangebot und parodontalen Voraussetzungen ab.
Gerade bei Erwachsenen darf ein Zahnbogen deshalb nicht allein mit dem Ziel verbreitert werden, ein möglichst breites Lächeln zu erzeugen.
Gut zu wissen: Ein harmonisches Lächeln entsteht nicht durch eine möglichst breite oder möglichst gerade Zahnreihe.
Entscheidend ist, dass Zahnstellung, Zahnbogen, Lippen und Gesicht individuell zusammenpassen.
Bei einem Gummy Smile ist beim Lächeln vergleichsweise viel Zahnfleisch sichtbar.
Die Ursachen können sehr unterschiedlich sein. Möglich sind unter anderem:
Deshalb lässt sich ein Gummy Smile nicht automatisch mit einer Zahnspange behandeln.
Erst die Diagnostik zeigt, welcher Faktor im individuellen Fall entscheidend ist und ob eine kieferorthopädische Behandlung sinnvoll ist.
Bei Erwachsenen ist das Wachstum von Ober- und Unterkiefer weitgehend abgeschlossen. Deshalb sollte man bei Aussagen wie „Eine Zahnspange verändert die Gesichtsform“ vorsichtig sein.
Mit Alignern, einer festen Zahnspange oder einer innenliegenden Zahnspange können Zahnpositionen gezielt verändert und Fehlbisse innerhalb biologischer Grenzen korrigiert werden.
Dadurch können sich beispielsweise verändern:
Eine Zahnspange ist jedoch kein Ersatz für eine Veränderung der knöchernen Gesichtsstruktur.
Gerade deshalb ist vor einer Behandlung eine genaue kieferorthopädische Analyse wichtig.
Nicht die Zahnspange selbst bestimmt das spätere Profil, sondern vor allem die Behandlungsplanung und die daraus resultierende Zahnposition.
Je nach Fehlstellung können unterschiedliche Verfahren infrage kommen:
Aligner ermöglichen eine schrittweise Zahnbewegung mit transparenten, herausnehmbaren Schienen und sind besonders bei Erwachsenen beliebt.
Feste Zahnspangen ermöglichen eine sehr kontrollierte Bewegung einzelner Zähne und können auch bei komplexeren Zahnbewegungen eingesetzt werden.
Innenliegende Zahnspangen (Lingualtechnik) arbeiten ebenfalls mit festen Brackets, werden jedoch auf der Innenseite der Zähne befestigt und sind von außen nahezu unsichtbar.
Welche Methode geeignet ist, entscheidet sich nicht allein nach ästhetischen Wünschen, sondern nach Fehlstellung, Behandlungsziel und individuellen anatomischen Voraussetzungen.
Diese Sorge haben besonders Erwachsene häufig – und sie ist ein wichtiger Punkt für die Behandlungsplanung.
Werden Frontzähne deutlich nach vorne oder hinten bewegt, kann dies Auswirkungen auf die Lippenposition und damit auf das Profil haben. Deshalb sollte eine kieferorthopädische Behandlung nicht ausschließlich danach geplant werden, die Zahnreihen möglichst gerade auszurichten.
Vor allem bei umfangreicheren Zahnbewegungen müssen unter anderem Profil, Lippenposition, Knochenangebot, Zahnachsen und Biss berücksichtigt werden.
Das Ziel ist nicht einfach eine gerade Zahnreihe, sondern ein funktionell stabiles Ergebnis, das zum Gesicht des Patienten passt.
Vorher-Nachher-Bilder können zeigen, welche Veränderungen bei anderen Patientinnen und Patienten möglich waren. Sie sagen jedoch wenig darüber aus, welches Ergebnis bei einem anderen Menschen erreichbar ist.
Zwei Personen können auf den ersten Blick ähnliche schiefe Zähne haben und trotzdem eine völlig unterschiedliche Behandlung benötigen.
Für die Planung werden deshalb je nach Situation unter anderem Zahnstellung, Biss, Kieferrelation, Gesichtsprofil, Zahnachsen und vorhandener Platz beurteilt. Digitale Scans und weitere diagnostische Unterlagen ermöglichen anschließend eine individuelle Behandlungsplanung.
Erst daraus ergibt sich die entscheidende Frage: Welche Zahnposition ist für dieses Gesicht, diesen Biss und dieses Kausystem sinnvoll?
Ja. Gerade Zähne sind nur ein Teil einer kieferorthopädischen Behandlung.
Eine gute Planung berücksichtigt gleichzeitig:
Zahnstellung, Biss, Funktion, Lippen, Profil und langfristige Stabilität.
Besonders bei Erwachsenen ist das wichtig. Denn wenn bereits alle bleibenden Zähne vorhanden sind und das Kieferwachstum abgeschlossen ist, muss sehr genau geplant werden, welche Zahnbewegungen funktionell sinnvoll und innerhalb der vorhandenen anatomischen Grenzen möglich sind.
Das Ziel sollte deshalb nicht ein standardisiertes „perfektes Lächeln“ sein.
Es geht um eine Zahn- und Bissposition, die individuell zum Gesicht passt.
Wer sich für eine kieferorthopädische Behandlung interessiert, sollte nicht ausschließlich fragen: Wie bekomme ich gerade Zähne?
Mindestens genauso wichtig ist die Frage: Welche Zahn- und Bissposition passt zu meinem Gesicht?
Denn Frontzähne, Lippen, Biss und Kiefer stehen miteinander in Verbindung. Eine sorgfältig geplante Behandlung berücksichtigt deshalb nicht nur das Lächeln von vorne, sondern auch Funktion, Profil und langfristige Stabilität.
Gerade bei Erwachsenen lohnt sich eine individuelle kieferorthopädische Untersuchung, bevor entschieden wird, ob Aligner, eine feste Zahnspange oder eine andere Behandlung sinnvoll ist.
Möchten Sie wissen, welchen Einfluss Ihr Biss auf Ihr Profil hat?
Bei einer kieferorthopädischen Untersuchung können wir beurteilen, wie Zahnstellung, Biss und Kieferrelation zusammenspielen und welche Veränderungen durch eine Behandlung realistisch möglich sind.
Lassen Sie Ihren Biss individuell beurteilen und erfahren Sie, welche Behandlungsmöglichkeiten für Ihre Zahn- und Kieferstellung infrage kommen.
Eine Zahnspange kann den Gesichtseindruck beeinflussen, insbesondere über Veränderungen der Frontzahnposition, der Lippenunterstützung und des Bisses. Wie deutlich diese Veränderungen ausfallen, hängt vom individuellen Befund ab.
Eine klassische kieferorthopädische Behandlung macht das Gesicht nicht gezielt „schmaler“. Veränderungen der Zahnstellung und des Bisses können jedoch dazu führen, dass Mundpartie oder Profil anders wirken.
Auch eine Behandlung mit Invisalign kann die Zahnposition und damit in bestimmten Fällen die Lippen- und Profilwirkung beeinflussen. Entscheidend ist nicht die Marke der Schiene, sondern welche Zahnbewegungen geplant und tatsächlich durchgeführt werden.
Bei Erwachsenen kann eine Zahnspange die knöcherne Kinnposition nicht direkt verändern. Durch Veränderungen des Bisses und der Zahnstellung kann sich das Profil jedoch anders darstellen. Bei ausgeprägten knöchernen Kieferfehlstellungen können andere Behandlungskonzepte notwendig sein.
Ja, insbesondere größere Veränderungen der Frontzahnposition können sich auf die Unterstützung und Position der Lippen auswirken. Wie stark dieser Effekt ist, unterscheidet sich von Mensch zu Mensch.
Das hängt von der Ursache ab. Funktionelle Verschiebungen oder bestimmte dentale Fehlstellungen können kieferorthopädisch beeinflusst werden. Eine knöchern bedingte Gesichtsasymmetrie lässt sich dagegen nicht automatisch durch eine Zahnspange korrigieren.
Im Rahmen der kieferorthopädischen Diagnostik lässt sich beurteilen, welche Auswirkungen geplante Zahnbewegungen voraussichtlich auf Biss und Profil haben können. Eine exakte Vorhersage jeder Weichteilveränderung ist jedoch nicht möglich.