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Gerade Zähne, aber falscher Biss?

Gerade Zähne bedeuten nicht automatisch einen guten Biss. Erfahren Sie, warum Zahnstellung, Kiefer und Funktion gemeinsam betrachtet werden.

Gerade Zähne, aber falscher Biss? Warum Ästhetik und Funktion zusammengehören

Gerade Zähne wirken harmonisch und gesund. Doch eine optisch gerade Zahnreihe bedeutet nicht automatisch, dass auch der Biss optimal ist. Denn in der Kieferorthopädie geht es nicht nur darum, wie die Zähne von vorne aussehen. Entscheidend ist auch, wie Ober- und Unterkiefer zueinander stehen und wie die oberen und unteren Zähne beim Zubeißen aufeinandertreffen.

So können Zähne auf den ersten Blick sehr gerade erscheinen, während beispielsweise ein Überbiss, Tiefbiss oder Kreuzbiss besteht. Ob eine solche Abweichung behandelt werden sollte, lässt sich allerdings nicht allein anhand der Optik beurteilen. Dafür ist eine individuelle kieferorthopädische Untersuchung notwendig.

 

Was bedeutet ein „guter Biss“ eigentlich?

Beim Biss – medizinisch als Okklusion bezeichnet – geht es um den Kontakt zwischen den Zähnen des Ober- und Unterkiefers.

Für die kieferorthopädische Beurteilung spielen deshalb mehrere Faktoren zusammen: die Stellung der einzelnen Zähne, die Form der Zahnbögen, das Verhältnis von Ober- und Unterkiefer sowie die Art, wie die Zahnreihen beim Zubeißen aufeinandertreffen.

Das erklärt auch, warum zwei Menschen ähnlich gerade Zähne haben können und ihr Biss trotzdem unterschiedlich beurteilt wird.

Kurz gesagt: Gerade Zähne beschreiben vor allem die sichtbare Zahnstellung. Ein funktionell günstiger Biss betrifft zusätzlich das Zusammenspiel beider Zahnreihen und Kiefer.

 

Wie können die Zähne gerade sein und der Biss trotzdem nicht stimmen?

Stellen wir uns zwei perfekt geordnete Zahnreihen vor. Betrachtet man Ober- und Unterkiefer getrennt, können beide sehr harmonisch aussehen. Entscheidend ist aber, was passiert, wenn beide Zahnreihen zusammenkommen.

Genau dabei können Abweichungen sichtbar werden, die beim Blick auf das Lächeln zunächst kaum auffallen.
Ein Beispiel ist ein ausgeprägter Tiefbiss: Die Frontzähne können durchaus gerade nebeneinanderstehen, während die oberen Schneidezähne die unteren beim Zubeißen deutlich überdecken.
Ähnliches gilt für einen Überbiss. Auch hier können die einzelnen Zahnreihen regelmäßig aussehen, obwohl Ober- und Unterkiefer beziehungsweise die Frontzähne nicht optimal zueinander stehen.
Bei einem Kreuzbiss wiederum beißen einzelne obere Zähne oder ganze Zahngruppen im Verhältnis zu den unteren Zähnen weiter innen als üblich.

Gerade deshalb beurteilen wir in der Kieferorthopädie nicht ausschließlich, wie gerade die Zähne aussehen, sondern auch ihre räumliche Beziehung zueinander.

 

Welche Bissfehlstellungen können trotz gerader Zähne bestehen?

Zu den möglichen Auffälligkeiten gehören beispielsweise:

  • Tiefbiss: Die oberen Frontzähne überdecken die unteren Frontzähne beim Zubeißen stärker.
  • Vergrößerter Overjet: Der horizontale Abstand zwischen oberen und unteren Frontzähnen ist vergrößert.
  • Kreuzbiss: Obere und untere Zähne stehen in einzelnen Bereichen in einem umgekehrten Verhältnis zueinander.
  • Offener Biss: Bestimmte Zähne erreichen beim Zubeißen keinen Kontakt.
  • Mittellinienabweichung: Die Mittellinien von Ober- und Unterkiefer beziehungsweise der Zahnreihen stimmen nicht miteinander überein.

Dabei gilt: Nicht jede Abweichung ist automatisch krankhaft oder behandlungsbedürftig. Wie relevant eine bestimmte Bisssituation ist, hängt unter anderem von ihrem Ausmaß, der individuellen Anatomie, dem Alter und weiteren klinischen Befunden ab.

Studien zeigen zwar Zusammenhänge zwischen ausgeprägten Malokklusionen und verschiedenen Bereichen der mundgesundheitsbezogenen Lebensqualität. Wie stark diese Auswirkungen sind, unterscheidet sich jedoch individuell und auch die Qualität der zugrunde liegenden Evidenz ist nicht für alle Fragestellungen gleich.

 

Warum schauen Kieferorthopäden nicht nur auf die Zahnstellung?

Das Ziel einer kieferorthopädischen Untersuchung besteht deshalb nicht einfach darin, „schiefe Zähne zu finden“.
Wir betrachten die Situation als Ganzes.
Neben der sichtbaren Zahnstellung sind unter anderem die Zahnbögen, Zahnkontakte, Kieferrelation und individuelle Ausgangssituation relevant. Bei Kindern und Jugendlichen kommt zusätzlich die weitere Entwicklung von Zähnen und Kiefern hinzu.
Das ist auch für die Behandlungsplanung entscheidend. Ein ästhetisch ansprechendes Ergebnis sollte nicht isoliert von den funktionellen Verhältnissen geplant werden.

 

Bedeutet ein falscher Biss automatisch Beschwerden?

Nein. Eine Bissabweichung bedeutet nicht automatisch, dass Beschwerden entstehen.

Dieser Punkt ist besonders wichtig, weil im Internet häufig ein sehr direkter Zusammenhang zwischen Fehlbiss, Kiefergelenksbeschwerden, Kopfschmerzen oder CMD hergestellt wird.
So einfach ist dieser Zusammenhang wissenschaftlich nicht.
Temporomandibuläre Dysfunktionen – häufig unter dem Begriff CMD zusammengefasst – gelten als multifaktoriell. Systematische Untersuchungen konnten keinen einfachen kausalen Zusammenhang nach dem Muster „Fehlbiss verursacht CMD“ belegen.

Umgekehrt sollten vorhandene Beschwerden natürlich ernst genommen und individuell untersucht werden.

 

Ästhetik und Funktion: Warum beides zur Behandlungsplanung gehört

Wer über eine Zahnkorrektur nachdenkt, hat häufig zunächst ein sichtbares Ziel: beispielsweise gerade Frontzähne, weniger Zahnlücken oder ein harmonischeres Lächeln.
Eine kieferorthopädische Planung geht jedoch darüber hinaus.
Nicht nur die Position eines einzelnen Zahnes ist relevant, sondern das Zusammenspiel des gesamten Gebisses.
Das bedeutet nicht, dass jeder kleine Unterschied korrigiert werden muss. Vielmehr geht es darum, vor einer Behandlung zu verstehen, welche Zahnbewegungen sinnvoll sind und wie sich diese auf die Beziehung zwischen Ober- und Unterkiefer auswirken.
Genau hier treffen Ästhetik und Funktion aufeinander.

Wie untersucht der Kieferorthopäde den Biss?

Eine fundierte Beurteilung beginnt mit einer klinischen Untersuchung. Dabei werden nicht nur einzelne Zähne betrachtet, sondern auch Zahnstellung, Zahnbögen und der Zusammenbiss von Ober- und Unterkiefer.
Je nach Ausgangssituation können weitere diagnostische Unterlagen erforderlich sein.
Digitale Intraoralscanner ermöglichen beispielsweise dreidimensionale Modelle der Zahnreihen. Sie werden heute in der Kieferorthopädie unter anderem für digitale Modelle und die Behandlungsplanung eingesetzt. Systematische Untersuchungen zeigen zugleich, dass digitale Verfahren – insbesondere bei der exakten digitalen Erfassung der Okklusion – technische Grenzen besitzen. Ein Scan ersetzt daher nicht automatisch die gesamte klinische Beurteilung.

 

Kann man einen falschen Biss mit Alignern korrigieren?

Mit transparenten Alignern lassen sich heute zahlreiche Zahnbewegungen und auch bestimmte Bisskorrekturen durchführen.
Ob eine Behandlung mit Alignern für die jeweilige Situation geeignet ist, hängt jedoch von der konkreten Fehlstellung und dem geplanten Behandlungsziel ab. Deshalb sollte die Frage nicht nur lauten: „Kann man meine Zähne mit Alignern gerade machen?“
Mindestens ebenso wichtig ist: „Welches Ergebnis soll für meinen gesamten Biss erreicht werden?“
Erst nach entsprechender Diagnostik lässt sich entscheiden, welche Behandlungsmethode sinnvoll ist.

 

Wann sollte ich meinen Biss untersuchen lassen?

Nicht jede kleine Abweichung erfordert eine kieferorthopädische Behandlung. Eine Untersuchung kann aber sinnvoll sein, wenn Sie beispielsweise den Eindruck haben, dass die Zähne beim Zubeißen ungewöhnlich aufeinandertreffen, einzelne Bereiche keinen Kontakt haben oder Sie eine deutlich sichtbare Bissabweichung bemerken.
Auch vor einer rein ästhetisch gewünschten Zahnkorrektur ist die Beurteilung des gesamten Bisses wichtig. Denn gerade Frontzähne allein sind noch kein vollständiges Behandlungsziel.
Bei einer kieferorthopädischen Untersuchung kann geklärt werden, wie Zahnstellung und Biss zusammenpassen und ob überhaupt Behandlungsbedarf besteht.

 

Gerade Zähne sind nur ein Teil des Gesamtbildes

Ein schönes Lächeln und ein funktionell günstiger Biss schließen sich nicht aus – im Gegenteil. Moderne Kieferorthopädie betrachtet beides gemeinsam.
Zähne können optisch gerade sein und trotzdem kann eine Bissabweichung bestehen. Gleichzeitig bedeutet eine solche Abweichung nicht automatisch, dass sie Beschwerden verursacht oder behandelt werden muss.
Entscheidend ist deshalb nicht allein der Blick in den Spiegel, sondern die individuelle kieferorthopädische Beurteilung.
In unserer Kieferorthopädie in München untersuchen wir deshalb nicht nur die sichtbare Zahnstellung, sondern betrachten Zahnreihen, Biss und Kieferrelation gemeinsam. Auf dieser Grundlage lässt sich beurteilen, ob eine Behandlung sinnvoll ist und welches Behandlungsziel zur individuellen Ausgangssituation passt.

Häufige Fragen zu geraden Zähnen und Bissfehlstellungen

Ja. Die einzelnen Zahnreihen können optisch gerade wirken, während Ober- und Unterkiefer beziehungsweise obere und untere Zähne beim Zubeißen nicht optimal zueinanderstehen. Beispiele sind ein Tiefbiss, vergrößerter Overjet oder Kreuzbiss.

Manche Bissabweichungen sind sichtbar, andere fallen Laien kaum auf. Hinweise können beispielsweise eine starke Überdeckung der unteren Frontzähne, ein deutlicher horizontaler Abstand der Frontzähne, ein Kreuzbiss oder fehlende Zahnkontakte sein. Eine zuverlässige Beurteilung erfolgt durch eine zahnärztliche beziehungsweise kieferorthopädische Untersuchung.

Nein. Nicht jede Abweichung vom idealtypischen Biss ist automatisch behandlungsbedürftig. Ob eine Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Art und Ausprägung der Fehlstellung, der individuellen Situation und dem Behandlungsziel ab.

Ein direkter Zusammenhang lässt sich so pauschal nicht herstellen. CMD ist ein komplexes, multifaktorielles Beschwerdebild. Wissenschaftliche Übersichtsarbeiten unterstützen keine einfache Erklärung, nach der eine bestimmte Bissabweichung automatisch CMD verursacht.

Je nach Ausgangssituation können Aligner neben der Zahnstellung auch bestimmte Bissverhältnisse verändern. Ob sie für eine konkrete Fehlstellung geeignet sind, muss individuell diagnostiziert und geplant werden.

Ein Foto zeigt nur einen Teil der Situation. Für eine kieferorthopädische Beurteilung können unter anderem die Beziehung zwischen Ober- und Unterkiefer, Zahnkontakte und weitere klinische Befunde relevant sein. Deshalb lässt sich aus einem einzelnen Foto nicht zuverlässig ableiten, ob ein Biss funktionell unauffällig ist oder Behandlungsbedarf besteht.